Ein „Krim(i)sches“ Märchen

Wir glauben durchaus auch an Zufälle. Aber, dass ein erster Krimi von uns beiden gemeinsam geschrieben worden ist, gehört eher der Kategorie „Schicksal“ an. Denn wir betrachten es als Schicksal, dass wir uns begegnet sind, um uns dann nach einiger Zeit dem Projekt „Wir schreiben gemeinsam einen Kriminalroman“ zu widmen.

Doch wie kam es dazu?

Kennen gelernt haben wir uns durch unsere Leidenschaft zu den Pferden. Man traf sich beinahe täglich und bald entdeckten wir, dass uns noch mehr als die Reiterei verbindet – der Spaß am Lesen, vor allem dem Lesen von Krimis.

Eine Reitanlage ist ein Mikrokosmos. Viele unterschiedliche Menschen, genau betrachtet deutlich mehr Frauen als Männer, treffen aufeinander, und man kann sich mit ihnen einfach nur nett unterhalten, zusammen lachen oder Sorgen teilen. Aber auch ärgern oder aufregen und manchmal jedoch einfach nur wundern. An einem Novembermorgen 2008 kamen wir auf die Idee, aus all dem eine Geschichte zu spinnen, und weil wir auch nicht gerade zimperlich sind, war klar, dass es ein Kriminalroman werden sollte. Deshalb spielt unser Erstlingswerk „Schwanensterben“, auch - keine Sorge, nicht nur - auf einer Reitanlage, und als Beiwerk gibt es kleine Einblicke in die für Außenstehende oft merkwürdig anmutende Welt der „Pferdebesessenen“.

Aber, wir wollten nicht irgendeine Geschichte schreiben, die sich überall zutragen könnte. Bremen sollte der Hauptschauplatz werden. Bremen mit seinen wunderschönen Gebäuden, seinem Flair und seiner Historie. Und so überlegten wir zunächst, welchen geschichtlichen Hintergrund wir mit „hineinstricken“ könnten. Was uns ebenso wichtig war, unser Ermittler sollte ein ganz „normaler“ Mann sein – weder alkohol- noch drogenabhängig, keine gescheiterte Ehe hinter sich haben, die ihn in Depressionen verfallen lässt, sollte ihn belasten. Suizidgefährdet sollte er schon gar nicht sein. Einfach ein unaufgeregter Typ, der aber natürlich auch seine kleinen Höhen und Tiefen im Alltag erlebt. So entsprang unseren Köpfen Heiner Hölzle, ein junger Kriminalhauptkommissar aus Schwaben, der sich in Bremen beruflich und privat auf neuem Terrain befindet, und wir konnten ihm ein wenig von unseren Erfahrungen mitgeben, denn auch wir sind keine eingeborenen Bremer, sondern stammen aus dem Saarland bzw. aus Baden-Württemberg. Hölzle war geboren, ein netter Kerl, auf den sich seine Freunde verlassen können, der seine Arbeit ernst nimmt (sich nicht all zu sehr), und man kann sich durchaus vorstellen, mit ihm bei einem Bier an der Weser zu sitzen.

Sein erster Mordfall in Bremen wurde entwickelt, er bekam ein Zuhause, eine Freundin, Mitarbeiter. Von Anfang an haben wir die Kapitel unter uns aufgeteilt, per E-Mail unentwegt hin- und hergeschickt. Wir mussten lernen, gegenseitig unsere Kritiken zu akzeptieren, denn wie oft haben wir Textstellen geändert, an Worten und Sätzen gefeilt, um Formulierungen gerungen, über Begriffe gestritten. Doch dadurch wurden wir selbst zu unseren größten Kritikern. Bei allem Ernst, mit dem wir bei der Sache waren, kam jedoch eines nicht zu kurz: der Spaß, den wir bei der ganzen Arbeit hatten, denn mehr als gestritten - natürlich im positiven Sinne -, haben wir gelacht, über Fehler, die uns unterlaufen sind oder absurde Ideen, mit denen wir uns übertreffen wollten.

Im Mai 2010 war es dann soweit! Unser Werk war vollendet, unsere Probeleser waren mehr als zufrieden, und so schickten wir das Exposé und 50 Seiten aus dem Manuskript an den Gmeiner Verlag. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass es uns wie vielen anderen Autoren gehen würde, die nur Absagen erhalten und vielleicht Jahre warten, bis das Buch endlich Gnade vor den Augen der Lektoren findet.

Doch dann geschah etwas, womit wir nicht gerechnet hatten. Der Gmeiner Verlag war der erste, dem wir ein Exposé und einen Auszug aus dem Manuskript schickten, und wenige Tage nachdem wir dieses Paket mit all unseren Hoffnungen versandt hatten, forderte der Verlag das gesamte Manuskript an. Wir konnten unser Glück kaum fassen, ein Märchen war wahr geworden. Einige Monate später wurden wir zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, lernten die Cheflektorin kennen, und knapp 4 Wochen danach hielten wir unseren Autorenvertrag in der Hand.

Seither hat Hölzle zu tun: Nach Schwanensterben erschien Rotglut, es folgten Mordsgrimm, Rabenfraß und Frostkalt. Im Februar 2017 kam mit  "Ausgerottet - der erste Fall für Malie Abendroth und Lioba Hanfstängl" ein weiterer Kriminalroman auf den Markt. Der zweite Fall für die beiden Frauen ist abgeschlossen, "Elitewahn" erscheint im Juli 2018. Inzwischen hat Liliane einen eigenen Kriminalroman geschrieben, "Madame le Juge und der Tote von Pont du Gard" soll im Herbst bei Piper erscheinen. Biggis erster historischer Roman "Die Erleuchtung der Welt" wird im Frühjahr 2019 vom Gmeiner Verlag veröffentlicht.